Prognos-Studie zur Initiative Kinderfreundliches Stuttgart - Mehr Kinder, mehr Familien

Stuttgart wird immer bunter, das besagt eine Langzeitstudie des Wirtschaftsforschungsinstituts Prognos.





Der Förderverein 'Kinderfreundliches Stuttgart' hat 2005 beim Schweizer Wirtschaftsforschungsinstitut Prognos eine Langzeitstudie über die Entwicklung Stuttgarts zur kinderfreundlichen Großstadt in Auftrag gegeben. Nach der Basismessung 2005 und zwei Auswertungsmessungen 2007 und 2009 hat Prognos 2012 das Programm erneut evaluiert. Am Montag, 17. Dezember, hat der Vorstand des Kuratoriums 'Kinderfreundliches Stuttgart', Dr. Stefan von Holtzbrinck, das Ergebnis gemeinsam mit Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Schuster, Dr. Susanne Eisenmann, Bürgermeisterin für Kultur, Bildung und Sport, Isabel Fezer, Bürgermeisterin für Soziales, Jugend und Gesundheit, sowie der Kinderbeauftragten Roswitha Wenzl vorgestellt.

“Ich danke dem Kuratorium 'Kinderfreundliches Stuttgart' und hier ganz besonders seinem Vorstand, Dr. Stefan von Holtzbrinck, für seine Initiative, die Fortschritte der 'Kinderfreundlichen Stadt' von Beginn an messen zu lassen“, sagte Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Schuster. “Das ist umso wertvoller, als es hier nicht darum geht, in einen Wettbewerb mit anderen Städten zu treten, sondern sich als Stadt an den selbst gesetzten Zielen zu messen. Bereits die vorangegangenen Evaluationsergebnisse haben gezeigt, dass die Stadt Stuttgart mit ihrer Strategie und den daraus erfolgten Maßnahmen auf dem richtigen Weg ist. Sie hat aber auch gezeigt, wo noch verstärkt Anstrengungen unternommen werden müssen.“


“Die aktuelle Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts Prognos zeigt, wie die erfolgreiche Entwicklung der Kinderfreundlichkeit in Stuttgart mit seiner besonderen Struktur zusammenhängt. Von Beginn an waren das Programm und die Initiative des Kinderfreundlichen Stuttgart auf ein Zusammenwirken von ehrenamtlich Engagierten und der Stadtverwaltung hin angelegt. Da die Geschäftsführung des Fördervereins durch die Kinderbeauftragte der Stadt wahrgenommen wurde, konnten die vielfältigen Kenntnisse und Erfahrungen von den bereits vorhandenen Aktivitäten und Projekten synergetisch genutzt werden“, sagte von Holtzbrinck.

Für diese parteiübergreifende Initiative, für das konsequente Programm und die klare Zielsetzung, Stuttgart zur kinderfreundlichsten Großstadt zu machen, danke ich in diesem Zusammenhang Herrn Oberbürgermeister Dr. Schuster ganz besonders. Es dürfte keinen Oberbürgermeister in der Bundesrepublik geben, der sich mit seinem Einsatz und seinen Taten mehr um die Kinder und die Integration verdient gemacht hätte und mehr Anstöße für Innovation gegeben hätte.“

Die Evaluierung hat ergeben, dass heute in Stuttgart 700 Kleinkinder mehr leben als im Jahr 2005. Damit hat Stuttgart eine Trendwende erreicht - und das entgegen der Entwicklung in Baden-Württemberg. Auch die Zahl der Familien mit minderjährigen Kindern ist erstmals wieder angestiegen. Dabei ist die junge Stuttgarter Generation noch bunter und internationaler geworden: 57 Prozent der Kinder und Jugendlichen haben mittlerweile einen Zuwanderungshintergrund.

Untersucht wurde die Entwicklung erneut innerhalb der drei Handlungsfelder “Vereinbarkeit von Familie und Beruf“, “Förderung und Bildung für alle Kinder“ sowie “Wohnraum für Familien und Freiräume für Kinder“.

“In den beiden ersten Handlungsfeldern haben die Bürgerinnen und Bürger sowie die Verwaltung viel für die Kinder in Stuttgart bewegt“ so Michael Steiner, Bereichsleiter der Prognos AG. “Mit dem programmatischen Aufruf des Oberbürgermeisters konnten sich viele Bürger identifizieren. Beeindruckend ist neben dem immer stärkeren Engagement der Bürgerinnen und Bürger auch die Kreativität der gefunden Lösungen in den Handlungsfeldern“.

Handlungsfeld 1: Vereinbarkeit von Familie und Beruf - Großer Schritt für die Ganztagesbetreuung

Seit dem ersten Erhebungszeitpunkt 2005 konnten die Betreuungsangebote für Kinder unter drei Jahren von 2.477 auf 5.367 Plätze bis zum März 2012 mehr als verdoppelt werden. Die Betreuungsquote erhöhte sich - bei einer gestiegenen Anzahl von Kindern unter drei Jahren in Stuttgart - von 18,2 auf 33,3 Prozent. Als besonders erfreulich wird herausgestellt, dass auch für diese Altersgruppe vor allem die Ganztagsangebote ausgebaut wurden.

Können alle Plätze, für die die notwendigen Mittel bereits zur Verfügung stehen, bis Ende 2013 eingerichtet werden, erhöht sich die Platzzahl auf 6.754 und die Betreuungsquote auf 41,9 Prozent.

Auf der Basis des Wartelistenabgleichs im Sommer 2012 wird gleichwohl deutlich, dass für derzeit rund 60 Prozent der Kinder unter drei Jahren in Stuttgart Bedarf auf einen Betreuungsplatz besteht. Weitere Ausbauanstrengungen sind daher notwendig.

Erfreulich ist, dass das im Jahr 2005 angestrebte Ziel, 50 Prozent der Stuttgarter Kinder von drei bis sechs Jahren mit einem Ganztagesplatz versorgen zu können, mit 47,4 Prozent annähernd erreicht wurde. Können alle bereits beschlossenen Ganztagsplätze für diese Altersgruppe umgesetzt werden, erhöht sich die Betreuungsquote Ende 2013 auf 57 Prozent.

“Damit sind wir in Stuttgart auf einem guten Weg, die von den Eltern gewünschte Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu unterstützen. Im Vordergrund steht für uns dabei das Kindeswohl , das heißt die Qualität der frühkindlichen Bildung“, sagte Isabel Fezer, Bürgermeisterin für Soziales, Jugend und Gesundheit.

Förderung und Bildung für alle Kinder

Die Sprachfördermaßnahmen sind seit dem ersten Erhebungszeitpunkt im Jahr 2005 gestiegen. Wurden im Jahr 2005 noch 761 Kinder gefördert, konnten im Jahr 2012 insgesamt 4.163 Kinder mit Sprachfördermaßnahmen erreicht werden.

Erfreulich ist auch der Ausbau der “Rucksackprojekte“, mit denen im Jahr 2012 rund 300 Mütter in die Sprachförderung ihrer Kinder eingebunden werden konnten.

Kinderbeteiligung

Seit dem Jahr 2005 sind die Anzahl der Veranstaltungen mit Kinderbeteiligung von
3 auf 13 angestiegen. Dies zeigt auf positive Weise den hohen Stellenwert, den die Kinderbeteiligung in Stuttgart hat.

“Kinder bei Planungen und Projekten, die sie selbst betreffen, mit einzubinden und mitzunehmen, hat in Stuttgart schon lange Tradition“, so OB Schuster. “Nicht nur beim Bau von Kinderspielplätzen, auch bei der Planung und Gestaltung ihres persönlichen Wohnumfeldes profitieren alle davon, wenn Kinder als Experten ernst genommen werden. Ich erinnere auch an unseren Wettbewerb 'Kinderfreundliche Quartiersplanung' im Mai dieses Jahres im Rahmen des Europäischen Kongresses 'Cities for Children'. Er hat ganz deutlich gezeigt, wie wichtig Kinderbeteiligung ist und dass es sich lohnt, diese auszubauen. Sich an Kindern zu orientieren, heißt, Stadtentwicklung auf einen langfristigen Erhalt von Lebensqualität und somit an den Bedingungen einer nachhaltigen Zukunft auszurichten.“

Handlungsfeld 2: Förderung und Bildung für alle Kinder - Stuttgarter engagieren sich für faire Zukunftschancen

Als vorbildliche Investition führt Prognos den Grundsatzbeschluss des Gemeinderats zum flächendeckenden Ausbau der (teil-)gebundenen Ganztagesschule an. Hiernach können bis 2020 die Grundschulen, die dies möchten, (teil-)gebundene und damit verbindliche Ganztagesschule werden. Die notwendigen finanziellen Mittel für die Bereitstellung oder den Bau der notwendigen Räume inklusive Mensa, die Organisation des Mittagessens und des pädagogischen Fachpersonals für den zügigen Ausbau sind im Haushalt eingestellt. Aktuell bieten 17 Grundschulen den (teil-)gebundenen Ganztag an. Acht Schulen haben das Schülerhaus als Vorstufe zur Ganztagesschule eingeführt.

“Der Grundsatzbeschluss des Gemeinderats war der entscheidende Schritt für den Ausbau der Ganztagesbetreuung. Jährlich können bis zu acht Ganz-tagesgrundschulen mit qualitativ hohem pädagogischen Lern- und Betreuungsstandard eingerichtet werden“, erklärte Oberbürgermeister Schuster. “Jedes Kind soll innerhalb der Ganztagesschule durch Förderung und Forderung seine Form der Unterstützung erhalten. Das hierfür benötigte Geld ist gut angelegt.“

“Jede Grundschule kann entsprechend des örtlichen Bedarfs entscheiden, welche Betreuungsform sie anbieten möchte: Halbtagesschule, teilgebundene oder gebundene Ganztagesschule. Neben dem Ausbau der Ganztagesschulplätze im Grundschulbereich sollen auch die Ganztagesangebote der weiterführenden Schulen weiter gestärkt werden, sodass Eltern die Unterstützung erhalten, die sie benötigen“, ergänzte Bürgermeisterin Susanne Eisenmann.

Das Angebot der Ganztagesbetreuung an den weiterführenden Schulen wurde durch Prognos ebenso positiv bewertet. Auch hier wurden die Ziele der Stadt Stuttgart fortwährend weiter verfolgt.

Handlungsfeld 3: Wohnraum für Familien und Freiräume für Kinder - Bezahlbarer Wohnraum für Familien bleibt Herausforderung

Die Attraktivität der Stadt hat erfreulicherweise weiter zugenommen. Auch die Zahl der Einwohner ist gestiegen. Aufgrund der sehr eingeschränkten baulichen Entwicklungsmöglichkeiten, die meist nur noch in der Innenentwicklung stattfinden können, hat sich der Wohnungsmangel weiter vergrößert. In der Folge sind die Preise für das Wohnen bei Kauf und Miete gestiegen. Nach dem neuen Mietspiegel ergibt sich eine durchschnittliche Steigerungsrate von 5,5 Prozent gegenüber dem vorhergehenden Mietspiegel vor zwei Jahren. Die Kaufpreise sind in dieser Zeit auch wegen der “Flucht ins Betongold“ noch wesentlich stärker gestiegen. Mit den Förderprogrammen “Sozialer Mietwohnungsbau“, “Mietwohnungen für mittlere Einkommensbezieher“ und “Preiswertes Wohneigentum“ wirkt die Stadt dieser Entwicklung entgegen, um Wohnraum für Familien bezahlbar zu halten und zu machen. Ziel war, in diesen Programmen jährlich mindestens 400 Wohnungen zu fördern. Aufgrund des Grundstücksmangels förderte die Stadt in 2011 jedoch nur 224 und in diesem Jahr nur 128 Wohnungen.

In den nächsten Jahren sollten jährlich wieder mindestens 400 Wohnungen gefördert werden. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen mehr Baurechte geschaffen und Baugenehmigungen zügiger erteilt werden. Durch das Stuttgarter Innenentwicklungsmodell (SIM) ist inzwischen jeder Investor verpflichtet, im Falle der Neuschaffung eines Planungsrechtes auf mindestens 20 Prozent der Bauflächen geförderten Wohnraum zu erstellen. Dies ist ein wichtiger Schritt. Die Stadt muss aber künftig mehr eigene Grundstücke für den geförderten Wohnungsbau zur Verfügung stellen und vermehrt auch Grundstücke aufkaufen, um darauf geförderte Wohnungen erstellen zu lassen.

OB Schuster: “Bezahlbarer Wohnraum ist in Stuttgart für Familien schwer zu bekommen. Zum einen, weil Stuttgart als Wohnort stark nachgefragt ist. Zum anderen, weil es im Hinblick auf die restriktive Ausweisung von neuen Wohngebieten auch in den nächsten Jahren schwierig sein wird, die erforderliche Zahl an familienfreundlichen Wohnungen zu bauen. Chancen bestehen in der Nachnutzung von Brachflächen und durch Nachverdichtungen oder Umwandlung im Bestand. Erfreulicherweise können demnächst auf dem Olga-Areal im Westen 250 neue Wohnungen, davon die Hälfte gefördert, erstellt werden. Auch die Bebauung im Neckarpark wird in den nächsten Jahren einige Entlastung bringen. Ferner eröffnet beispielsweise das Gelände von Stuttgart 21 neue Möglichkeiten.“

Viele neue ehrenamtliche Spielplatzpaten

An Engagement fehlte es jedoch nicht: Wo ohne großen Mitteleinsatz das Wohnumfeld für Familien verbessert werden konnte, hat die Stadt einiges erreicht. So wurden über 80 Prozent der Schulhöfe zum Spielen freigegeben. Der Anteil der sanierungsbedürftigen Spielflächen konnte auf zwölf Prozent reduziert werden und für jeden sechsten Spielplatz in Stuttgart gibt es einen ehrenamtlichen Spielplatzpaten.

Die Spielplatzpatenschaften konnten in den vergangenen Jahren weiter ausgebaut werden. Auch die Freiwilligenagentur der Stadt hat durch ihr Engagement dazu beigetragen. Weitere Ideen sollen zusätzlich Anreize für ehrenamtliches Engagement schaffen. So könnte beispielsweise in benachbarten Läden Werkzeug zum Reinigen der Spielplätze hinterlegt und dann spontan von Paten genutzt werden.

Bau- und Sanierung von Spielplätzen sowie Spielgeräteersatz

In den vergangenen Jahren wurden deutliche Fortschritte erreicht. Trotzdem können die zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel derzeit nicht vollständig umgesetzt werden. Aufgrund der eng bemessenen Personalbestückung werden für den Ausbau der Kindertagesstätten und Ganztagesschulen alle personellen Kapazitäten gebraucht. Eine Entlastung über zusätzliches Personal ist erforderlich, um auch den Ausbau der Spielplätze, die Sanierung und den Spielgeräteersatz vollständig abarbeiten zu können.

Lobbyarbeit für Familien - Kinderbeauftragte vertritt konsequent die Interessen der Kinder und Familien

Kinderfreundlichkeit ist in Kommunen eine Querschnittsaufgabe, die eine Zusammenarbeit und den gegenseitigen Austausch unterschiedlicher Ämter, Einrichtungen, der engagierten Bürgerschaft und nicht zuletzt der Kinder und Familien voraussetzt. Die Stelle der Stuttgarter Kinderbeauftragten hat sich für die Koordination, für die Vernetzung und als Ansprechpartnerin in hohem Maße als geeignet erwiesen. Dies ist nur möglich, weil sich ihre übergreifende Bedeutung auch in der Zuordnung als Stabsstelle bei der Verwaltungsspitze widerspiegelt. Die Unabhängigkeit von internen Verwaltungsstrukturen ermöglicht es, politisch zu agieren und Unternehmen und Bürgerschaft für das Thema Kinderfreundlichkeit zu sensibilisieren.

“Als Koordinatorin, Netzwerkerin und Ansprechpartnerin für die Kinder und Familien in der Stadt und für alle, die an der Verbesserung von familienfreundlichen Strukturen arbeiten oder interessiert sind, habe ich 2003 Frau Wenzl als Kinderbeauftragte für Stuttgart eingesetzt“, so OB Schuster. “Gemeinsam mit weiteren 48 Kinderbeauftragten in den verschiedenen städtischen Ämtern und Eigenbetrieben der Stadt, hat sie ein starkes und kompetentes Netz für kinder- und familienfreundliche Maßnahmen aufgebaut. Dank auch ihres Engagements als Geschäftsführerin des Fördervereins 'Kinderfreundliches Stuttgart', ist es gelungen, die verschiedenen gesellschaftlichen Bereiche zum Thema Kinderfreundlichkeit zu verknüpfen, miteinander ins Gespräch zu bringen, und für die Kinder und Familien in der Stadt schließlich zum Nutzen zu führen. Dieser ganzheitliche Ansatz ist für viele Städte in Deutschland und Europa vorbildlich.“

“Ich bin sehr dankbar, dass ich in Stuttgart als Kinderbeauftragte meine Aufgaben als Querschnittsaufgaben wahrnehmen konnte und - nicht eingebunden in ein konkretes Amt -, aber mit Unterstützung der Verwaltungsspitze auch in die Bürgerschaft hinein wirken konnte. Nur so war es möglich, das kommunale Netzwerk für Kinder für ressortübergreifende Kooperationen innerhalb der Stadtverwaltung und darüber hinaus in der Bürgerschaft zu etablieren. Bei der Steuerung durch Netzwerke für mehr Kinder- und Familienfreundlichkeit sind das Kuratorium 'Kinderfreundliches Stuttgart' und der Förderverein zentrale Einrichtungen, über die auch die Ziele der kinderfreundlichen Stadt in die Bürgerschaft hinein getragen und verankert wurden.“



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